Wenn Rupert Neudeck unwidersprochen gegen Israel hetzen darf

Von Dimitri Kravvaris

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete in seiner gedruckten Ausgabe vom 18. März 2016 ausführlich von einer Zeitungspatenaktion an 171 Schulen in Köln und der Region. Im Rahmen dieser Aktion lobte Bürgermeisterin Henriette Reker die gedruckte Zeitung ausdrücklich: Reker zufolge sei man durch diese Form angeregt, Informationen zu vertiefen.

Es wird jedoch oft übersehen, dass einseitige Berichte, Propaganda und gefährliche Hetze auch in einer gedruckten Zeitung ihren Platz finden können. Ein Beispiel dafür ist ausgerechnet das Interview, das der Aktivist Rupert Neudeck dem Kölner Stadt-Anzeiger in der bereits erwähnten Ausgabe vom 18. März (Seite 6) gab. Dass Rupert Neudeck 2014 Aussagen Dietrich Bonhoeffers instrumentalisierte, um die Palästinenser als die neuen Juden zu präsentieren, und bereits 2005 Gaza mit dem Warschauer-Ghetto verglich, sind anscheinend für den Kölner Stadt-Anzeiger Spitzfindigkeiten, die man gar nicht erwähnen oder kritisch hinterfragen müsste.

Der Ausgangspunkt im besagten Interview ist Neudecks „furchtbares Erlebnis“ im Nahen Osten. Nicht gemeint sind damit die täglichen Messer-Attacken gegen israelische Zivilisten, Wachleute, Soldaten und Polizisten; die Gewalt gegen israelische Juden ist für Neudeck anscheinend unwichtig. Es geht ihm vielmehr darum, das Verhalten jüdischer Siedler in Hebron anzuprangern, die „Unrat und Müll auf [die] Straße schmeißen“ und das Leben der Palästinenser erschweren würden. Der Ton des Gesprächs ist somit vom Anfang an gegeben: Die israelische Siedlungspolitik sei der Hauptgrund dafür, dass die Palästinenser unwürdig leben würden. Sie seien sonst für nichts schuldig bzw. verantwortlich; Neudeck behauptet sogar, es gäbe bei ihnen eine „innere Bewegung“, die die Linderung ihres Leidens „forcieren“ könnte, wenn der Druck der Amerikaner und der Europäer ohne Folgen bliebe. Der Journalist greift nicht ein: Meint Neudeck etwa die Aktivitäten der Hamas, die Messer-Attacken oder eine friedliche Bewegung, die wir hier in Europa noch nicht wahrgenommen haben?

Die schlimmste Behauptung kommt bei der dritten Frage („Und was ist mit den Regierungen der Israelis und Palästinenser?“): Unwidersprochen wagt Neudeck, die Regierung in Ramallah mit „der Quisling-Regierung in Norwegen in der Nazi-Zeit“ zu vergleichen, „die von den Nazis eingesetzt wurde“. Neudeck fügt hinzu: „Eine Regierung, die gemeinsame Sache mit dem Besatzer macht. Die Palästinenser leben zwar gut in der Autonomie-Behörde, aber es gibt den Geruch der Kollaboration“. Neudeck verwendet hierbei Vokabeln des II. Weltkriegs („Kollaboration“, „Besatzer“, „Quisling-Regierung“) und unterstellt damit nicht nur, dass die Palästinenser keinerlei freie Entscheidungen auf einer politischen Ebene treffen könnten, sondern dass die Israelis die Nazis von heute seien.

Somit wird im Kölner Stadt-Anzeiger ein Schwarz-Weiß-Bild des Nahhost-Konflikts vermengt mit Geschichtsrelativierung vermittelt. Nazi-Vergleiche sind in diesem Kontext jedoch inakzeptabel. Der Kölner Stadt-Anzeiger leistet mit diesem Interview gerade nicht das, was er behauptet, nämlich seine (jungen) Leser*innen zur kritischen Reflexion anzuregen.

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4 thoughts on “Wenn Rupert Neudeck unwidersprochen gegen Israel hetzen darf

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